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Der Sikahirsch (Cervus nippon)

Aussehen und Körperform

Der in Europa vorkommende Sika ist von der Körpergrösse her zwischen Reh und Damhirsch einzuordnen. Verschiedene Unterarten aus dem asiatischen Verbreitungsgebiet erreichen aber beinahe die Grösse von Rothirschen. Im Vergleich zum Reh ist der Sika aber weniger zierlich: Der kurze Kopf, der kurze massige Hals, kräftige Vorderläufe und eine leicht überhöhte hintere Rückenpartie verleihen dem Sika ein stämmiges Aussehen. Das Fell wird jährlich zweimal gewechselt: Im März-Mai ins fuchsrote bis rotbraune Sommerfell, im Juli-Oktober bei den Weibchen ins dunkelbraune, bei den Männchen ins schwarze Winterfell. Während der Brunft tragen die Männchen eine Mähne. Ein typisches Erkennungszeichen des Sika ist ein heller Haarbüschel an der Aussenseite des Sprunggelenks. Das Geweih aus Knochensubstanz weist selten mehr als 4 Enden pro Stange auf und wird jährlich im März/April abgeworfen.

 

Verbreitung und Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Sika liegt im östlichen, asiatischen Kontinent und den vorgelagerten japanischen Inseln. Sämtliche anderen Vorkommen sind auf ausgesetzte oder aus Gehegen entwichene Tiere zurückzuführen. Freilebende Sikapopulationen existieren heute in vielen europäischen Ländern. Das einzige Vorkommen in der Schweiz liegt auf dem Südranden im Kanton Schaffhausen sowie im Grenzgebiet des Rafzerfeldes. Der Sika ist sehr anpassungsfähig und bewohnt unterschiedliche Lebensräume, von der Küstenzone bis zur subalpinen Stufe. Er bevorzugt aber gebüsch- und unterholzreiche Mischwälder. Die weiblichen Tiere leben sehr ortstreu, männliche Tiere, vor allem junge Hirsche, scheinen grössere Streifgebiete zu nutzen.

 

Ernährung und Aktivitätszeiten

Der Sika ist ein Wiederkäuer und damit Pflanzenfresser. Sein Verdauungssystem erlaubt es, eine breite Nahrungspalette zu nutzen und faserreiche Nahrung effizient aufzuschliessen. Verholzte Pflanzen und Gräser machen den Hauptteil der Nahrung aus, Kräuter sind in der Regel wenig bedeutend. Eine wichtige Nahrungsquelle stellen im Herbst und Winter Waldfrüchte, wie Eicheln, Buchecker und Weissdornfrüchte dar. Die Nahrungsaufnahme erfolgt in der Regel zwischen der Abend- und Morgendämmerung, was auch eine Anpassung an menschliche Einflüsse sein kann.

 

Sozialstruktur und Fortpflanzung

Weibliche Sika leben vom Frühling bis Herbst in kleinen Rudeln, deren Grundeinheit die Mutterfamilie (weibliches Tier mit dies- und vorjährigem Jungtier) bildet. Kurz vor der Setzzeit wird das vorjährige Jungtier von der Mutter vertrieben, weibliche Jungtiere schliessen sich danach aber meist der Mutter wieder an. Bei männlichen Jungtieren ist hingegen die Trennung endgültig. Diese leben dann umherziehend allein oder schliessen sich zu Rudeln zusammen. Nach der Brunft schliessen sich männliche und weibliche Tiere zu grösseren, getrenntgeschlechtlichen Rudeln zusammen.
Die Brunft setzt in der Regel ab Mitte September ein und erreicht ihren Höhepunkt Mitte bis Ende Oktober. Offenbar ist das Brunftverhalten beim Sika recht flexibel: Es erfolgt kein fester und dauerhafter Zusammenschluss von einem Männchen mit mehreren Weibchen. Nach einer Tragzeit von 31-33 Wochen setzen die Weibchen ihre Kälber ins hohe Gras oder in dichten Bewuchs. Die Säugezeit dauert einige Monate, obwohl das Kalb früh pflanzliche Nahrung aufnimmt.

 

Spuren

Sika haben einen Hufabdruck mit zwei geschlossenen, relativ spitz zulaufenden Schalen. Der Kot (Losung) besteht aus länglichen, festen Pillen. Besonders die männlichen Sika suhlen gerne, wozu sie Bodenvertiefungen mit angesammeltem Wasser nutzen. Wie bei allen Hirschartigen verbeisst auch der Sika oft verholzte Pflanzenteile und löst die Rinde an Stämmen und Wurzeln von Jungbäumen zur Nahrungsaufnahme.

 

Populationsbiologie

Die Population wird stark vom Geschlechterverhältnis und Altersaufbau sowie von den Ernährungsbedingungen beeinflusst. Die Reproduktionsrate schwankt regional stark zwischen 30 - 70 % des weiblichen Frühjahresbestandes. Das Geschlechterverhältnis ist bei der Geburt ausgeglichen, danach liegt die Sterblichkeit bei den männlichen Kälbern deutlich höher. Nach dem ersten Winter ist die Ueberlebenschance gross, erst im hohen Alter steigt die Sterblichkeit wieder an. Parasiten und Krankheiten spielen als Todesursache eine untergeordnete Rolle. In der Schweiz werden jährlich etwa 100-200 Sika erlegt; der Frühjahresbestand wird auf 250-300 Tiere geschätzt.


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Quelle:
Der Sika, Dezember 1998, Text: R. Kistler;
Infodienst Wildbiologie & Oekologie, Strickhofstrasse 39, CH-8057 Zürich

 

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